Dialog & Begegnung

"Das pure tansanische Leben"

Aylin Altiparmak hat von Ende September bis Anfang November 2018 sechs Wochen als Freiwillige an der Irkisongo Secondary School verbracht. Die Studentin der Politikwissenschaften hat im Unterricht hospitiert und assistiert und hat mit einer Gruppe von rund 50 Mädchen die erste Schülerzeitung der Irkisongo School erstellt.

Die 24jährige schreibt über ihren Aufenthalt und ihre Erfahrungen:

„In der ersten Woche habe ich mit den Mädels zur Einführung in das Thema besprochen, wofür wir eine Schülerzeitung brauchen, wie eine Zeitung im Allgemeinen strukturiert ist und welche Arten von Artikeln es gibt. Dafür hatte ich Arbeitsblätter erstellt, die wir im Stuhlkreis besprochen haben. Anschließend haben wir die Mädchen in Gruppen eingeteilt und jede Gruppe hat sich überlegt, worüber sie schreiben möchte und welche Art von Text es werden soll (Interview, Kommentar etc.). (...)

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Die Mädchen haben Interviews durchgeführt, sind mit der Kamera unterwegs gewesen, haben Experimente im Chemielabor durchgeführt und sind in die Schulbücherei gegangen, um dort zu recherchieren. Viele Gruppen brauchten aber auch einen PC, um ihre Informationen aus dem Internet zu beziehen.(...) Ich denke die Schülerinnen haben gelernt, warum Zeitungen und Journalisten wichtig sind und wie der Prozess, eine eigene Schülerzeitung zu entwerfen, aussehen kann. Sie haben gelernt, welche Textarten es in einer Zeitung gibt und worin sie sich unterscheiden. Außerdem haben sie gelernt, die Aufgaben in ihrer Gruppe aufzuteilen und Internetrecherchen und Interviews durchzuführen.(...)

Ich habe immer wieder gemerkt, dass die Schülerinnen nicht so sehr an freies Arbeiten gewöhnt sind und viele Anweisungen brauchten, sodass ich ihnen Anregungen gegeben habe, welche Interviewfragen sie noch stellen könnten und wie sie das Thema noch betrachten könnten.(...)

Durch das Wohnen bei einer Gastfamilie habe ich das pure tansanische Leben miterleben können und nicht nur gelernt, wie man ein Projekt leitet und wie die Schule organisiert ist, sondern auch, was den Menschen wichtig ist und wie sie über Religion, Partnerschaft und viele andere Themen denken.(...) Mit meiner Gastfamilie konnte ich über alles sprechen, was mich beschäftigt hat. Beide waren sehr offen (...) und haben mich unterstützt wo sie konnten. Ich habe mich sehr integriert in die Familie gefühlt (...). An der Schule hatte ich durch meinen Gastvater ebenfalls immer einen Ansprechpartner, doch auch die Schulleiterin hat mich immer mal wieder gefragt, ob ich mich gut zurechtfinde.(...)

Die Lehrer haben mich sehr gut in die Gemeinschaft aufgenommen und ich habe mit der Zeit immer mehr kennengelernt. In den Pausen habe ich anfangs bei meiner Gastmutter gesessen, doch vor allem in den letzten zwei Wochen habe ich engeren Kontakt zu manchen Lehrern gehabt und teilweise über die Pause hinaus mit ihnen im Pausenraum gequatscht. Alle Lehrer waren unheimlich gastfreundlich und haben mich willkommen geheißen. Manchmal haben sie sich gewundert, dass ich mit in ihren Unterricht möchte, doch sie haben sich vor allem gefreut. Auch die Schulleiterin ist sehr nett und in der zweiten Woche war ich bei ihr zum Essen eingeladen. Wir haben uns oft über die Unterschiede zwischen der deutschen und der tansanischen Kultur unterhalten, was immer sehr lustig war."

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Dialog & Begegnung

Faszinierende Gastfreundlichkeit und Herzlichkeit

Die Abiturientin Lizanne Burkardt hat zehn Wochen als Freiwillige an der Kisomachi Secondary School in Moshi gearbeitet. Sie war in erster Linie für ein Projekt zum Thema Energie an die Kisomachi Secondary School gereist, das sie im Vorhinein ausführlich geplant und vorbereitet hatte. Anlass für den Schwerpunkt „Solar-Energie" war die Installation einer Solaranlage an der Kisomachi Schule, mit der die häufigen Stromausfälle überbrückt werden sollen. Als Ergebnis des Freiwilligenprojekts entstand ein rund 20minütiger Film, den Lizanne mit 20 Schülerinnen und Schülern der Kisomachi School gedreht hat.

Lizanne schreibt über ihre Erfahrungen: „An Gastfreundlichkeit und Warmherzigkeit hat es auf keinen Fall gemangelt, denn besonders in meinen Ankunftstagen wurde ich mit tansanischem Essen von morgens bis abends verwöhnt und alle haben sich um mein Wohl gekümmert.

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Neema Chuwa, eine 28jährige Lehrerin der Kisomachi Secondary School, wurde mir als „Mentorin" zugewiesen und mit ihr habe ich die meiste Zeit verbracht. Ich hatte mein eigenes kleines Zimmer, aber gekocht und gegessen habe ich immer mit Neema. Sie hat mich mit dem Alltag einer Einheimischen vertraut gemacht und ich habe sehr viel von ihr gelernt. Morgens sind wir zusammen zur Schule gelaufen, im Lehrerzimmer hat sie mir die unverständlichen Dinge ins Englische übersetzt, wir haben zusammen eingekauft, gekocht, geputzt und gewaschen und am Wochenende hat sie mich in die Innenstadt begleitet. (...)

Ein herzliches „KARIBU!" (Willkommen!) prasselte von allen Seiten auf mich ein und ich habe schnell gelernt, darauf mit „Asante Sana" (Vielen Dank!) zu antworten. Weitere Vokabeln folgten, sodass ich am Ende einige Sätze in Swahili bilden konnte. Mal davon abgesehen, dass ich 20mal täglich nach meinem Befinden gefragt wurde, hat mir jeder Kollege seine Hilfe und Unterstützung zugesichert. Im Unterricht habe ich eine andere Seite der Lehrer kennengelernt. Der Umgang mit den Schülern ist sehr streng und im Vergleich zu deutschen Schulen viel autoritärer. Die Pausen für die Lehrer waren meist unterhaltsam, jedoch kann man sich die „Pausen" keineswegs wie in deutschen Schulen vorstellen. Die meisten Tansanier haben – wie ich gemerkt habe – sehr, sehr viel Zeit. Oft heißt es „pole pole..." (gemach gemach...) und es ist durchaus möglich, dass ein Gespräch oder das Mittagessen im Lehrerzimmer eine halbe Stunde länger dauert und sich die Schüler im
Klassenraum alleine beschäftigen. (...)

Zehn Wochen in einer völlig anderen Kultur zu leben und zu arbeiten bringt schon sehr viele neue Erfahrungen mit sich. Das Arbeiten in einer tansanischen Schule hat mir gezeigt, wie ausbaufähig das Schulsystem ist und wie viel Potenzial (seitens Schülern und Lehrern) eigentlich besser genutzt werden könnte. (...) In Tansania hat mich besonders die Gastfreundlichkeit und Herzlichkeit der Menschen immer wieder fasziniert und es gehört zu meinen persönlichen Zielen, das so gut es geht auch in Deutschland umzusetzen.

Künftigen Freiwilligen gibt Lizanne folgende Tipps mit auf den Weg:

  • „Es lohnt sich wirklich, Swahili-Vokabeln vorher ein bisschen zu lernen. Die Tansanier freuen sich sehr darüber und spätestens wenn man dort ist, wird es von einem erwartet.
  • Man muss sich darauf einstellen, flexibel zu bleiben und Geduld zu haben, sonst erlebt man wahrscheinlich auch oft Frustration.
  • Ich wurde immer nach einer typisch deutschen Tradition (z.B. ein Tanz) gefragt. Für diesen Fall sollte man sich eventuell schon mal vorab wappnen. Meine Lösung während der Reise: Das „German-Workout", eine halbe Stunde Fitnessprogramm, das ich mit der ganzen Schule am Ende sogar wöchentlich gemacht habe. Kreativität ist gefragt..."
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Großes Interesse am Computerkurs

Nach seinem Bachelor als Bauingenieur verbringt Lorenz Leichthammer im Frühjahr 2015 fünf Wochen an der Duluti Schule bei Arusha:

„Im April und Mai 2015 war ich 5 Wochen lang als „Educational Volunteer" an der Duluti Secondary School in Tengeru, einem kleinen Ort nahe Arusha in Tansania. Außer der Duluti Schule mit ihren 470 Schülern befindet sich dort noch ein College und mittwochs und samstags wird es sehr betriebsam, weil das die beiden Markttage sind. Sonst ist es aber ziemlich ruhig in Tengeru. Mein Aufenthalt lag genau in der Regenzeit und so bekam ich deutlich mehr schlechtes Wetter mit als ich für möglich gehalten hätte. Der Regen hatte allerdings auch den Nebeneffekt, dass die ganze Landschaft einen wirklich schönen Grün-Ton angenommen hatte. (...)

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Zu essen gab es ausschließlich Gerichte der tansanischen Küche. Morgens gab es meistens Haferbrei und Kaffee, in der kalten Jahreszeit (wenn die Temperatur unter 30 Grad Celsius fällt) auch gerne häufiger eine Suppe, und zu den anderen Mahlzeiten gab es die klassischen Gerichte mit viel Ugali (Maisbrei), Reis und Kochbananen, dazu fast immer Fleisch und Gemüse. Das Lieblingsgericht der Tansanier „kuku na chipsi", die tansanische Version von Chicken & Chips, gab es meistens als Festessen am Sonntag.

Meine Aufgabe an der Duluti Schule bestand hauptsächlich darin, Mathematik in der Form 5, also der zweitletzten Stufe, zu unterrichten und einen Computerkurs zu geben, in dem ich jedem Interessierten eine Einführung in die Programmierung mit Java gab.

Überrascht und natürlich auch erfreut war ich, dass es relativ viele Schüler gab, die zwar vom Stundenplan her nicht im Computerkurs dabei sein konnten, nach der Unterrichtszeit aber wissen wollten, was dort denn gemacht worden sei und wofür man das benutzen könne. Zeitlich war ich durch meine Aufgaben nicht ausgelastet und so wurde meine Hilfe auch im Physikunterricht, beim Korrigieren von Klassenarbeiten und bei IT-Problemen in Anspruch genommen. Die Schulsprache war Englisch, was die Kommunikation sehr vereinfacht hat. Untereinander sprachen die Tansanier aber immer Kisuaheli, von dem ich mir in den 5 Wochen leider nur ein paar einzelne Worte aneignen konnte.

Mit den Lehrern kam ich von Anfang an gut zurecht, bei den Schülern hat es etwas länger gedauert, da mein Dasein zunächst stark auf die Lehrerrolle beschränkt war. Ich hatte eben mein Zimmer getrennt von den Schülern bei den Lehrern, nahm mein Essen mit den Lehrern ein, nicht mit den Schülern, und im Unterricht war ich natürlich auch einer der Lehrer. Deutlich gebessert hat es sich nachdem ich angefangen habe mit den Schülern Fußball zu spielen und bei der „Form 6 Graduation" bei der Schülerdisko dabei war. Solche Aktivitäten, bei denen man ungezwungen und ausschließlich mit den Schülern in Kontakt tritt, sind jedem Freiwilligen zu empfehlen. Hatten sich anfangs nur vereinzelte Schüler getraut, mir überhaupt ein paar Fragen zu stellen, wurde dies gegen Ende meiner Zeit an der Schule immer mehr. Besonders die älteren Schüler, die so langsam ihrem Abschluss entgegen gehen, hatten viele Fragen, an denen ich erkennen konnte, dass sie sich schon viele Gedanken über ihre Zukunft gemacht hatten. (...)

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Dialog & Begegnung

"Unter ganz einfachen Umständen glücklich sein"

Die Abiturientin Lea Zimmermann berichtet von ihrem Freiwilligenaufenthalt an der Dr. Asha-Rose Migoro Girls' School in Tansania

„(...) Eine Woche später stand ich vor über vierzig Schülerinnen der Dr. Asha Rose Girls' Secondary School, die die nächsten drei Monate von mir unterrichtet werden sollten. Meine Aufgabe bestand darin, innerhalb des Englischunterrichts das Buch „Passed Like a Shadow" zu lesen und dabei das Thema HIV/AIDS zu thematisieren. Die ersten Wochen kamen wir nur schleppend voran, es gab nicht genug Bücher und auch einige Verständnisprobleme.

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Auch in meiner Umgebung war die erste Woche nicht leicht, denn Madame Safari, meine Gastmutter und Schulleiterin der Dr. Asha Rose Girls' Secondary School, war bei einer Lehrerfortbildung und ich alleine mit den beiden Hausangestellten, die kein Englisch sprechen konnten. Mein Suaheli langte gerade für Hallo und Tschüss, Konversationen waren daher nur beschränkt möglich. Ich kam mir manchmal etwas hilflos vor und fand es ganz schrecklich mit anzusehen, wie die Beiden den ganzen Tag arbeiteten und ich nicht mal das Geschirr abwaschen durfte...

Aber die Lage in der Schule und auch zu Hause änderte sich schnell, ich lernte viele sehr nette Freiwillige kennen und kam mit der Zeit auch immer besser mit dem Englischunterricht klar. Die Schülerinnen machten Mind-Maps, schrieben Tagebucheinträge und manchmal haben wir auch gemeinsam einzelne Szenen aus dem Buch nachgespielt. Anfängliche Hürden wie beispielsweise mit einem Eimer zu duschen oder nur ein Loch als Toilette vorzufinden erwiesen sich als Gewohnheiten und waren schon bald kein Problem mehr. Auch die Stromausfälle oder Wasserknappheit gehörten nach ein paar Wochen zur Normalität sowie auch Ugali, Reis, Bohnen und Chapati zu essen.

Zuvor hatte ich mir in Deutschland überlegt als Dialogprojekt eine Schülerzeitung mit den Schülerinnen der Dr. Asha Rose Girls' Secondary School zu entwickeln. Um dieses Projekt in die Tat umzusetzen habe ich mich dann an zwei Nachmittagen in der Woche mit den Mädchen getroffen. Wir haben Fotos von der Schule gemacht, Artikel und Gedichte geschrieben und Cartoons gemalt. Diese Nachmittage habe ich immer sehr genossen, denn es war toll den Schülerinnen dabei zu zuschauen, wie sie ihre Talente zeigten, gemeinsam zu reden und zu diskutieren und ab und zu auch mal Musik zusammen zu hören - natürlich nur, wenn es kein Lehrer merkte... (...)

Aber natürlich habe ich nicht nur schöne Dinge erlebt und gesehen, sondern auch vieles, was mich traurig und nachdenklich gemacht hat wie beispielsweise das Verhältnis zwischen älteren Leuten und Jüngeren, die Tatsache, dass so gut wie nichts kritisch hinterfragt wird und fast alles durch die Bibel bzw. Gott erklärt wird. Dass ich nur einmal im Jahr, und zwar an Weihnachten, in die Kirche gehe, stieß bei vielen Leuten auf großes Gelächter und war für die Meisten nur schwer zu verstehen. Wahrscheinlich werde ich in der Hölle landen, erklärte mir ein Lehrer als er mitbekam, dass ich Krankheiten nicht als Gottes Bestrafung sehe. (...)

Dank PROBONO hatte ich die Chance, eines der spannendsten Länder Afrikas zu bereisen, sehr viele beeindruckende Menschen kennen zu lernen, in eine fremde Kultur einzutauchen und die Erfahrung zu machen, unter ganz einfachen Umständen glücklich sein!!"

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