Dialog & Begegnung

"Wer grüßt einen schon in Deutschland einfach mal so auf der Straße?"

Die Abiturientin Miriam Schoen aus Frankfurt berichtet, wie ihr zehnwöchiger Aufenthalt an der St. Jospeh's Secondary School in Uganda im Jahr 2015 auch ihren Blick auf ihr eigenes Leben verändert hat:

„Zwei Wochen nach meiner Rückkehr aus Uganda laufe ich durch die Straßen Frankfurts und wundere mich immer noch über die Ordnung, dass z.B. Autos einfach für mich stehenbleiben. Mir fehlen die ganzen kleinen Stände auf den Straßen in Uganda, das Verhandeln mit Obsthändlern und Busfahrern über die Preise und die ausgelassene Stimmung. Wer grüßt einen schon in Deutschland einfach mal so auf der Straße? Wer fragt, wie es einem heute so geht?

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Trotzdem wurde nach meiner Rückkehr nach Deutschland alles wieder unglaublich schnell selbstverständlich. Am dritten Morgen ist die warme Dusche schon ganz normal, das konstante Internet und dass man drei variierte und ausgewogene Mahlzeiten am Tag zu sich nimmt. Bald fällt mir nicht mehr auf, dass man in Frankfurt nicht mehr jeden zweiten Tag Stromausfall hat, in Uganda waren es manchmal drei Tage. Sorglos trinkt man aus dem Wasserhahn und beschwert sich wieder, wenn die Bahn zehn Minuten Verspätung hat. (Wo man doch noch vor drei Wochen ohne zu murren zwei Stunden gewartet hat, bis der Bus überhaupt losfährt!).

Nach zehn intensiven Wochen in Uganda sitze ich an meinem Schreibtisch und versuche die Zeit und Erlebnisse in Worte zu fassen: Die Rückkehr ins heimatliche Frankfurt war schön und befremdlich zugleich. Schön, weil alles wie immer war und sich direkt wieder vertraut angefühlt hat, befremdlich aus genau demselben Grund. Die Feststellung, dass alles wie vorher war, hat mich zunächst total verwirrt. Mein ganzer Denkradius hatte sich vergrößert und ich war in Gedanken immer noch in Uganda. Hier schien es um die gleichen Probleme wie vor drei Monaten zu gehen.

Erste Wochen in Uganda

Am Flughafen, wo mich die Hitze völlig übermannte, wurde ich vom Schulleiter, Father Herman Kisekka, sowie einem Kollegen von ihm abgeholt. Rückblickend betrachtet war die dreistündige Fahrt von Entebbe nach Nkoni (Masaka) in Father Hermans Auto, die luxuriöseste Fortbewegungsmethode, die ich während der ganzen Zeit benutzt habe. Kein Vergleich zu völlig überfüllten Matatus (Minibussen), auf die man vorher Stunden gewartet hatte, ganz normalen Pkws, in die man sich zu zwölft gequetscht hat, und Bodafahrten (Motorradtaxis), auf denen man um sein Leben gebangt hat. Während meines zehnwöchigen Aufenthalts habe ich bei Father Herman auf dem Schulgelände gewohnt und es sehr gut gehabt, auch wenn am Anfang alles eine ziemliche Umstellung war. Ich unterrichtete während des Terms, den ich an der Schule verbrachte, Englisch in den untersten beiden Klassen und Computergrundkenntnisse in zwei mittleren Klassen. Außerdem führte ich ein freiwilliges Projekt für alle Klassen durch, in dem wir eine Schülerzeitung in Kooperation mit der deutschen Partnerschule entwickelten.

Die ersten Tage in Nkoni an der St. Joseph's Secondary School verbrachte ich mit Akklimatisieren und dem Kennenlernen des Schulgeländes und des Dorfes Nkoni. Dieses besteht aus ca. 30 beieinandergelegenen, weiteren ca. 50 verstreuten Häusern im Tal und ca. 5 Läden. Hier kann man so gut wie alles kaufen! Kerzen, Schulhefte, Handyguthaben, Seife, Marmelade. Nichts, was es dort nicht zu kaufen gibt! Solche Läden gab es übrigens fast an jeder Ecke, und davon dann immer gleich mehrere! So war das dort fast überall: drei Geschäfte nebeneinander, wo Stoffe verkauft wurden, fünf, die Koffer anboten und sieben Büdchen eng nebeneinander, die Handyguthaben verkauften. Keine besonders gute Verkaufsstrategie könnte ein außenstehender Betrachter meinen, aber dort ist es völlig normal! Des weiteren gab es im Dorf einen sehr guten Schneider, eine wunderschöne Steinkirche auf dem Hügel, an dem auch die St. Joseph Schule liegt (wie ebenso drei weitere Schulen), eine Königsresidenz des Bugandareiches und einen ausgezeichneten Rolex Stand. Rolex ist das gängigste Street Food: ein in Chapati gerolltes Omelette mit Tomate, für umgerechnet 50 ct. Ein wahrer Segen, wenn man zweimal am Tag Matoke (gestampfte Kochbanane) isst! Auch an die Schule grenzt eine Matokeplantage, die dieser gehört, und auf der auch die Schüler am Wochenende arbeiten. Vor allem in Westuganda sieht man überall Matoke, an jeder Straße und auf jedem Markt. Wie die Ugander sagen: „Our stable diet!"

In den ersten Tagen konnte ich nicht übers Schulgelände gehen, ohne von allen Schülern angestarrt zu werden. Weiße sieht man hier in Nkoni doch sehr selten, um genau zu sein habe ich während der ganzen Zeit keinen einzigen gesehen, außer Laura und Christoph, zwei Praktikanten, die zwei Wochen später auch an die St. Joseph's School gekommen sind. Unten im Dorf wurden wir ebenfalls intensiv angestarrt, aber immer wurde man aufs freundlichste begrüßt. „Muzungu, Muzungu, how are you? How is life?" (Muzungu = "der weiße Mensch") (...) Das Unterrichten hat sich einpendelt und auch die Schüler fanden es nicht mehr so aufregend wie am Anfang, von einer Weißen unterrichtet zu werden. Trotzdem war es anstrengend, Klassen von 80 Schülern im Zaum zu halten und zum Arbeiten zu motivieren. Viele schliefen im Unterricht, weil sie schon seit fünf Uhr morgens auf den Beinen waren (Beten, Putzen, Hausaufgaben) und erst abends um elf mit der letzten Chorprobe zu Ende waren. Außerdem sprachen sie viel Luganda, weil sie nicht alles in Englisch ausdrücken konnten. Da hatten es die anderen Lehrer natürlich leichter.

Besonders Spaß machte der sogenannte „German Club". Hier haben wir an einer Schülerzeitung gearbeitet, in der die Schüler ihre Schule, Uganda und sich selbst präsentieren. Das gleiche werden dann die Schüler der Partnerschule Heinrich-Heine in Ostfildern machen und die Arbeiten werden in einem Buch zusammengefügt. Die eine Stunde pro Woche war immer sehr schön, weil wir viel diskutiert haben. Die Schüler haben mir Fragen über Deutschland gestellt, von ihren Zukunftsplänen erzählt und fanden es immer klasse, wenn ich gesagt habe, dass die deutschen Schüler ganz viel über ihren Alltag wissen wollen. Unser aller Highlight (Lehrer, Schüler, Christoph, Laura und ich) war der St. Joseph's Day, der Namenstag der Schule. Es gab eine große Messe, ein Festessen, einzelne Schüler haben vorgetanzt und gesungen und am Ende haben alle zusammen getanzt. Für die Schüler war das eine herrliche Abwechslung zu dem harten Schulalltag. Der Tag war für alle grandios und es herrschte ein unglaubliches Gemeinschaftsgefühl. Am besten fanden es die Schüler, als Christoph, Laura und ich uns dann auch zu ihnen auf die Tanzfläche gewagt haben. (...)

Zurück in Deutschland bin ich froh über diese unglaublich bereichernde und schöne Erfahrung. (So sehr ich auch Uganda vermisse!) Ich merke, dass sich mein Blick auf viele Dinge geändert hat. Vieles sehe ich jetzt kritischer, gleichzeitig aber auch optimistischer. Vor allem begreife ich den Wert der vielen Möglichkeiten, die ich in habe, genau die Werte zu leben, die ich in Uganda als wichtig für mich erkannt habe, und so viel in meinem Leben zu sehen. Dinge, die für viele meiner Freunde in Uganda nicht so selbstverständlich sind. Das macht mich weiterhin sehr traurig. Ein Thema was mich immer noch beschäftigt und bei dem für mich viele Fragen offen bleiben, ist die Perspektivlosigkeit der Schüler und eine mögliche Lösung dafür. Zwar beträgt die Einschulungsrate für die Grundschule 98%, an den weiterführenden Schulen hingegen sind es nur 15%. Hinzu kommt, dass viele Schüler die Schule zwischendurch für ein paar Jahre verlassen bis wieder genügend Schulgeld vorhanden ist. Die meisten gehen danach nicht zur Universität, weil hierfür ebenso das Geld nicht reicht und der naheliegende Weg zurück in ihre Dörfer und in die Landwirtschaft führt.

Uganda ist weiterhin sehr arm und 80% der Bevölkerung leben von der Landwirtschaft, ein Großteil davon produziert nur für den Eigenbedarf. Bei der Fahrt durch abgelegene Dörfer sieht man zahllose Menschen, die von der Hand in den Mund leben. Ein großes Problem ist auch die Wasserversorgung: oft gibt es noch nicht einmal einen zentralen Brunnen im Dorf und die Menschen müssen kilometerweit laufen, um an Wasser zu kommen. Es überrascht nicht, dass die Lebenserwartung bei erschütternden 52 Jahren liegt."

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Dialog & Begegnung

Großes Interesse am Computerkurs

Nach seinem Bachelor als Bauingenieur verbringt Lorenz Leichthammer im Frühjahr 2015 fünf Wochen an der Duluti Schule bei Arusha:

„Im April und Mai 2015 war ich 5 Wochen lang als „Educational Volunteer" an der Duluti Secondary School in Tengeru, einem kleinen Ort nahe Arusha in Tansania. Außer der Duluti Schule mit ihren 470 Schülern befindet sich dort noch ein College und mittwochs und samstags wird es sehr betriebsam, weil das die beiden Markttage sind. Sonst ist es aber ziemlich ruhig in Tengeru. Mein Aufenthalt lag genau in der Regenzeit und so bekam ich deutlich mehr schlechtes Wetter mit als ich für möglich gehalten hätte. Der Regen hatte allerdings auch den Nebeneffekt, dass die ganze Landschaft einen wirklich schönen Grün-Ton angenommen hatte. (...)

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Zu essen gab es ausschließlich Gerichte der tansanischen Küche. Morgens gab es meistens Haferbrei und Kaffee, in der kalten Jahreszeit (wenn die Temperatur unter 30 Grad Celsius fällt) auch gerne häufiger eine Suppe, und zu den anderen Mahlzeiten gab es die klassischen Gerichte mit viel Ugali (Maisbrei), Reis und Kochbananen, dazu fast immer Fleisch und Gemüse. Das Lieblingsgericht der Tansanier „kuku na chipsi", die tansanische Version von Chicken & Chips, gab es meistens als Festessen am Sonntag.

Meine Aufgabe an der Duluti Schule bestand hauptsächlich darin, Mathematik in der Form 5, also der zweitletzten Stufe, zu unterrichten und einen Computerkurs zu geben, in dem ich jedem Interessierten eine Einführung in die Programmierung mit Java gab.

Überrascht und natürlich auch erfreut war ich, dass es relativ viele Schüler gab, die zwar vom Stundenplan her nicht im Computerkurs dabei sein konnten, nach der Unterrichtszeit aber wissen wollten, was dort denn gemacht worden sei und wofür man das benutzen könne. Zeitlich war ich durch meine Aufgaben nicht ausgelastet und so wurde meine Hilfe auch im Physikunterricht, beim Korrigieren von Klassenarbeiten und bei IT-Problemen in Anspruch genommen. Die Schulsprache war Englisch, was die Kommunikation sehr vereinfacht hat. Untereinander sprachen die Tansanier aber immer Kisuaheli, von dem ich mir in den 5 Wochen leider nur ein paar einzelne Worte aneignen konnte.

Mit den Lehrern kam ich von Anfang an gut zurecht, bei den Schülern hat es etwas länger gedauert, da mein Dasein zunächst stark auf die Lehrerrolle beschränkt war. Ich hatte eben mein Zimmer getrennt von den Schülern bei den Lehrern, nahm mein Essen mit den Lehrern ein, nicht mit den Schülern, und im Unterricht war ich natürlich auch einer der Lehrer. Deutlich gebessert hat es sich nachdem ich angefangen habe mit den Schülern Fußball zu spielen und bei der „Form 6 Graduation" bei der Schülerdisko dabei war. Solche Aktivitäten, bei denen man ungezwungen und ausschließlich mit den Schülern in Kontakt tritt, sind jedem Freiwilligen zu empfehlen. Hatten sich anfangs nur vereinzelte Schüler getraut, mir überhaupt ein paar Fragen zu stellen, wurde dies gegen Ende meiner Zeit an der Schule immer mehr. Besonders die älteren Schüler, die so langsam ihrem Abschluss entgegen gehen, hatten viele Fragen, an denen ich erkennen konnte, dass sie sich schon viele Gedanken über ihre Zukunft gemacht hatten. (...)

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Dialog & Begegnung

"Unter ganz einfachen Umständen glücklich sein"

Die Abiturientin Lea Zimmermann berichtet von ihrem Freiwilligenaufenthalt an der Dr. Asha-Rose Migoro Girls' School in Tansania

„(...) Eine Woche später stand ich vor über vierzig Schülerinnen der Dr. Asha Rose Girls' Secondary School, die die nächsten drei Monate von mir unterrichtet werden sollten. Meine Aufgabe bestand darin, innerhalb des Englischunterrichts das Buch „Passed Like a Shadow" zu lesen und dabei das Thema HIV/AIDS zu thematisieren. Die ersten Wochen kamen wir nur schleppend voran, es gab nicht genug Bücher und auch einige Verständnisprobleme.

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Auch in meiner Umgebung war die erste Woche nicht leicht, denn Madame Safari, meine Gastmutter und Schulleiterin der Dr. Asha Rose Girls' Secondary School, war bei einer Lehrerfortbildung und ich alleine mit den beiden Hausangestellten, die kein Englisch sprechen konnten. Mein Suaheli langte gerade für Hallo und Tschüss, Konversationen waren daher nur beschränkt möglich. Ich kam mir manchmal etwas hilflos vor und fand es ganz schrecklich mit anzusehen, wie die Beiden den ganzen Tag arbeiteten und ich nicht mal das Geschirr abwaschen durfte...

Aber die Lage in der Schule und auch zu Hause änderte sich schnell, ich lernte viele sehr nette Freiwillige kennen und kam mit der Zeit auch immer besser mit dem Englischunterricht klar. Die Schülerinnen machten Mind-Maps, schrieben Tagebucheinträge und manchmal haben wir auch gemeinsam einzelne Szenen aus dem Buch nachgespielt. Anfängliche Hürden wie beispielsweise mit einem Eimer zu duschen oder nur ein Loch als Toilette vorzufinden erwiesen sich als Gewohnheiten und waren schon bald kein Problem mehr. Auch die Stromausfälle oder Wasserknappheit gehörten nach ein paar Wochen zur Normalität sowie auch Ugali, Reis, Bohnen und Chapati zu essen.

Zuvor hatte ich mir in Deutschland überlegt als Dialogprojekt eine Schülerzeitung mit den Schülerinnen der Dr. Asha Rose Girls' Secondary School zu entwickeln. Um dieses Projekt in die Tat umzusetzen habe ich mich dann an zwei Nachmittagen in der Woche mit den Mädchen getroffen. Wir haben Fotos von der Schule gemacht, Artikel und Gedichte geschrieben und Cartoons gemalt. Diese Nachmittage habe ich immer sehr genossen, denn es war toll den Schülerinnen dabei zu zuschauen, wie sie ihre Talente zeigten, gemeinsam zu reden und zu diskutieren und ab und zu auch mal Musik zusammen zu hören - natürlich nur, wenn es kein Lehrer merkte... (...)

Aber natürlich habe ich nicht nur schöne Dinge erlebt und gesehen, sondern auch vieles, was mich traurig und nachdenklich gemacht hat wie beispielsweise das Verhältnis zwischen älteren Leuten und Jüngeren, die Tatsache, dass so gut wie nichts kritisch hinterfragt wird und fast alles durch die Bibel bzw. Gott erklärt wird. Dass ich nur einmal im Jahr, und zwar an Weihnachten, in die Kirche gehe, stieß bei vielen Leuten auf großes Gelächter und war für die Meisten nur schwer zu verstehen. Wahrscheinlich werde ich in der Hölle landen, erklärte mir ein Lehrer als er mitbekam, dass ich Krankheiten nicht als Gottes Bestrafung sehe. (...)

Dank PROBONO hatte ich die Chance, eines der spannendsten Länder Afrikas zu bereisen, sehr viele beeindruckende Menschen kennen zu lernen, in eine fremde Kultur einzutauchen und die Erfahrung zu machen, unter ganz einfachen Umständen glücklich sein!!"

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